Bis zu dem damaligen Tag im Herbst 2004 hatte mich der Teufel in Form von einer Nikotinsucht unter Kontrolle. Alle bis zu diesem Tag gestarteten Versuche, seien es durch Bücherlesen, Selbstkontrolle, Nikotinpflaster, Reduzierung der Zigaretten pro Tag oder sonstige Hilfsmittel, schlugen kläglich fehl.
Wissend um die Zerstörung meines eigenen Körpers und mit den ersten Anzeichen das mit ihm etwas nicht stimmt (Kurzatmigkeit, Konditionsabfall gegen Null, Husten bis zur Atemnot, und und und) stimmte ich meiner damaligen Freundin zu einen Termin bei einem Wunderheiler zu machen, wohl auch deswegen um sie nach einem Streit wieder zu besänftigen.
Herr Pflister oder Pfister, der Name ist mir nicht mehr so genau in Erinnerung, sollte an besagtem Wochenende im September in einem Hotel eintreffen und für 2 Tage seine Heilmethoden anbieten. Für 120 Euro bekam man eine Sitzung bei ihm inkl. der Garantie dass man bei Nichterfolg sein Geld zurück erhielt.
Eigentlich hatte ich nichts zu verlieren und zum Gefallen meiner Freundin, vielleicht auch im Hinterkopf dass es mir auch gut tun würde, saß ich nun im Vorzimmer der Hotelsuite und wartete darauf dass ich an der Reihe war.

„Der Nächste bitte“ tönte eine mit schweizer Dialekt belegte raue Stimme in den Raum.
Ich stand auf und begab mich in das umfunktionierte Schlafzimmer. Er begrüßte mich und deutete mir ich möge auf dem Bett platz nehmen.
Er nahm meine Hand und während er sie hielt fing er an zu reden.
„Ich nehmen Ihnen jegliche Schuld und Last von der Seele, Sie sind frei und brauchen ihre Sucht nicht mehr“.
Es folgten ca. 5 Minuten Geschwafel und mir fiel unangenehm auf dass er bei jedem Zischlaut etwas Spucke in meine Richtung schleuderte.
„Na klasse“ dachte ich bei mir „120 Mücken für die Katz, und nur damit sie sich wieder gut fühlt…“
Er hatte meine Hand losgelassen und in einer Art Zeremonie legte er mir nun seine linke Hand auf den Kopf.
Erneut fing er an zu erzählen wobei es sich mittlerweile eher wie ein Beten anhörte, verstehen konnte ich ab dem Zeitpunkt nichts mehr.
15 Minuten später verließ ich das Schlafzimmer und stellte mit Schrecken fest dass ich mich an nichts mehr erinnerte was nach dem Handauflegen geschah.
Wir verließen etwas später das Hotel und während der ganzen Zeit bis zu unserer Wohnung grübelte ich über das Passierte bzw. über meinen Blackout.

Zuhause angekommen schüttelte es mich am ganzen Körper, ich war perplex.
Was auch immer passiert war, wie auch immer er das angestellt hatte, ich spürte keinerlei Verlangen nach einem Suchtstengel.
Das ist bis zum heutigen Tage so geblieben und ich kann mich stolz als Nichtraucher titulieren.
Gut, ich habe im Laufe der Jahre ordentlich an Gewicht zugelegt, ca. 15 Kilo, aber das nehme ich gerne in Kauf.

Ein paar Jahre Später wollte ein Freund von mir die Adresse dieses Wunderheilers haben, leider hatte ich seine Visitenkarte schon weggeworfen. Dank Internet sollte es kein Problem sein diesen Herrn ausfindig zu machen. Fehlanzeige. Egal welche Kanäle ich anzapfte, ihn schien es nicht zu geben bzw. niemals gegeben zu haben.

Da kam mir die Idee im Hotel nachzufragen, die müssten theoretisch die Daten ihrer Kunden bis 10 Jahre zurück gespeichert haben.

Jedoch auch dort Fehlanzeige, eine ältere Frau an der Theke konnte sich zwar schwach an den Herrn erinnern hatte aber weder Namen noch Adresse und in den Akten des Hotels war auch nichts darüber zu finden.

Jegliche Versuche diese Person ausfindig zu machen schlugen fehl, ja, es schien sogar als ob es ihn nie gegeben hätte…